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Der Kopf hinter dem Cover - Grafikdesignerin Casandra Krammer im Interview

Artikel-Cover
© Foto: Casandra Krammer

Danke, liebe Cassy, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast.

 

Stelle dich doch bitte kurz vor:

Mein Name ist Casandra Krammer und ich bin eine Grafikdesignerin aus dem hohen Norden. Seit 2010 gestalte ich Buchcover und Werbematerial für Verlage und Autoren und habe mich vor alledem unter den Self-Publishern etabliert. Nebenbei bin ich Herausgeberin der Polygon Noir Edition, ein Label des MAIN-Verlags für Bücher aus dem Gay New- und Young-Adult Bereich. Außerdem schreibe ich selber Bücher und veröffentliche ab und an Artikel, hilfreiche Tipps für Autoren und Persönliches auf meinem Blog.

 

Wie wird man eigentlich Illustrator/Grafikdesigner?

Aus meiner Sicht muss als aller erstes ein allgemeines Interesse für Kunst da sein – egal in welcher Form. Ich kenne kaum Menschen, die sich in solchen kreativen Berufen bewegen, und nicht schon als Kinder gerne gemalt, gebastelt oder anderweitig kreativ waren.

Als Illustrator ist man da glaube ich sogar noch mehr involviert, als im Bereich des Grafikdesigns.

Wer sich in einer der beiden Berufe verwirklichen will, kann das auf zwei Wege tun. Entweder man studiert oder man bringt es sich selbst bei und macht sich dann selbständig. Als Grafikdesigner hat man noch eine dritte Option und das ist eine Ausbildung als Mediengestalter.

Beide Berufe sind an sich nicht geschützt, es darf sich also jeder Illustrator oder Designer nennen. Um ehrlich zu sein, kommt es am Ende nur darauf an, wie gut deine Arbeit ist. Mich hat bislang noch nie jemand nach meinem Abschluss gefragt ;-)

Es gibt aber leider nur wenig öffentliche Hochschulen die Studiengänge im Bereich Illustration oder Grafikdesign anbieten. Die Meisten davon sind privat und kosten dementsprechend mehr Geld. Das liegt wahrscheinlich daran, dass kreative Berufe im Allgemeinen sehr begehrt sind. Auf jeden Fall muss man sich für beide Studiengänge mit einer künstlerischen Mappe bewerben. Diese enthält ca. 20 kreative Arbeiten. Was man darüber hinaus für Qualifikationen mitbringen muss, ist von Hochschule zu Hochschule anders.

Um an eine Ausbildung als Mediengestalter heranzukommen, sollte man wenigstens ein paar Praktika in diesem Bereich gemacht haben, Grundkenntnisse in Photoshop besitzen und ein Auge für Farben und Formen haben. Gute Anlaufstellen für solche Praktika sind zum Beispiel Verlagen oder Agenturen. Leider sind die Plätze sehr begehrt und die meisten Arbeitgeber im Medienbereich suchen eher was für einen längeren Zeitraum. Praktika die 3 Monate und länger gehen, sind also nicht unüblich. Oft spielen auch Talent, Glück und Vitamin B eine große Rolle.

Um ehrlich zu sein, war ich einer dieser klassischen Kandidaten für ein kreativen Beruf, als Kind habe ich viel gemalt, gebastelt und bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem ich mich frei entfalten konnte. Meine Eltern hatten nie Ansprüche an mich und haben mich immer so gelassen, wie ich war.

Meine erste Photoshop Version hatte ich mit 13. Von da an habe ich Wallpaper, Signaturen und Banner für mehrere Bands gemacht, von denen ich Fan war. Irgendwann bin ich auf die Bücherplattform Bookrix aufmerksam geworden. Da ich zu der Zeit viel geschrieben habe, lud ich meine Bücher dort hoch und gestaltete mir selber die Cover. Irgendwann kamen die ersten Autoren auf mich zu und ich habe eine lange Zeit für umsonst gearbeitet. Mit 16 faste ich mir dann ein Herz und illustrierte mein erstes Verlagscover. Es war für das Buch Im Schatten des Blutmonds. An der Illustration habe ich gute drei Wochen gesessen. Heute rentiert sich die Illustration für mich leider nicht mehr – was auch daran liegt, dass ich mich selber nicht als talentiert genug dafür finde und ich nicht die größte Geduld besitze, was das Illustrieren angeht - und deswegen beschränke ich mich fast ausschließlich auf Fotomanipulation. 2013 habe ich dann den Schritt gewagt und mich komplett selbständig gemacht. Meine Geschichte ist der Beweis, dass es auch ohne Ausbildung oder Studium geht. Dieses Jahr mache ich mein Abi und hoffe dann in die künstlerische Ausbildung gehen zu können. Nebenbei werde ich selbstverständlich weiter als Coverdesignerin tätig sein.

Im Großen und Ganzen glaube ich, dass mich meine Leidenschaft und die Motivation zu lernen am Weitesten in diesem Beruf gebracht haben. Alles, was ich weiß, habe ich mir selber beigebracht. Dazu gehört viel Disziplin und vor alledem muss man das was man macht, wirklich lieben. Bis auf die wenigen Tage, die ich mir bewusst frei nehme, ist Photoshop bei mir immer geöffnet. Das Programm ist so vielfältig, dass ich nie aufhöre zu lernen und das macht unglaublich viel Spaß. Ich tausche mich mit anderen Designern aus, habe Kontakt zu Menschen aus der Medienwelt und gucke mir auch heute noch das eine oder andere YouTube Tutorial an. Das übt ungemein. Für mich persönlich gibt es sehr wenige Berufe, die mir eine so große Möglichkeit bieten, mich selbst zu verwirklichen. Das Einzige, was mich im Leben genauso reizt wie das Gestalten von Büchern, ist die Schriftstellerei. Deswegen liebe ich es mit Verlagen und Autoren zusammenzuarbeiten, man ist irgendwie immer auf einer Wellenlänge und umgeben von Leuten, die einen verstehen.

 

Wie läuft es ab, wenn ein Autor von dir ein Cover haben möchte?

Der Autor meldet sich bei mir meistens per Mail oder Kontaktformular. Dann bekommt er von mir ein Formular zugeschickt, indem er alle Daten zu seinem Buch eingeben kann. Sollte der Autor vorher schon ein Briefing haben, nehme ich auch das gerne. Je nach Arbeitslage fällt eine kleine Wartezeit an. Wenn das Projekt dann anlaufen soll, werden mehrere Entwürfe hin und her gemailt, bis wir beide zufrieden sind. Der Autor hat bei mir 100%tiges Mitspracherecht. Am Ende landet das fertige Design zusammen mit der Rechnung im Postfach ~ Ende ♥

 

Liest du das Manuskript?

Nein. Bis Juni 2015 werde ich neben meiner Arbeit noch zur Schule gehen. Bei ca. 5 bis 10 Buchcovern im Monat ist es unmöglich, alles zu lesen. Um ehrlich zu sein, konsumiere ich fast nur noch Bücher meiner Lieblingsautoren. Viele der Genres die ich gestalte, gehören gar nicht in mein Lese-Beuteschema. Aus beruflichen Gründen informiere ich mich aber trotzdem regelmäßig auch in den für mich uninteressanten Genres. Zum Beispiel lese ich so gut wie keine Thriller, liebe es aber, sie zu gestalten.

 

Gibt es auch Projekte, die du nicht annimmst?

Wenn ich ein Projekt nicht annehme, hat das oft mehrere Gründe. Entweder haben der Autor und ich vollkommen unterschiedliche Preisvorstellungen und es kommt erst gar nicht zu einer Verhandlung, oder mein Terminkalender ist so voll, dass ich das Projekt an Kollegen abgeben muss. Es kann aber auch sein, dass das Thema des Buches in meinen Augen nicht ethisch vertretbar ist. Manchmal kommen auch sehr unseriöse Anfragen ins Haus, die man dann versucht so höflich wie möglich abzuweisen. Seit einiger Zeit weigere ich mich zusätzlich für DKZV zu arbeiten.

 

Wie sieht deine Dienstleistung genau aus?

Autoren, die noch nie etwas selber veröffentlicht haben, können sich bei mir beraten lassen. Je nach Bedürfnis wird geguckt, wo es am besten für den Autor ist sein Buch drucken zu lassen und welche Marketing-Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Außerdem liefere ich nicht nur das Design für ein gelungenes Buchcover, sondern auch für Werbematerial wie Lesezeichen, Postkarten, Broschüren, Poster Banner, Visitenkarten und vieles mehr. Das Einzige was der Autor übernehmen muss, ist der Druck der Produkte.

 

Hast du ein persönliches Lieblingsgenre beim Gestalten?

Ja, ich gestalte unheimlich gerne Thriller, Krimis und Fantasy.

 

Wie lang sitzt du in der Regel an einem Projekt?

Die meiste Zeit nimmt die Bildersuche ein. Auch nach so vielen Jahren fallen die perfekten Motive nicht einfach so vom Himmel ;-) In der Regel sitze ich 2 bis 6 Stunden an einem Projekt. Es kommt auch darauf an, wie viele Entwürfe es am Ende werden.

 

Was gehört sonst noch zu deiner Arbeit dazu?

Ansonsten habe ich viel Schriftverkehr, beantworte am laufenden Band Emails, bediene meine Social-Media Kanäle und treffe mich manchmal live mit Kunden.

Meine Arbeit besteht so gesehen zu 10% aus Papierkram wie Buchhaltung und Steuererklärung 30% Schriftverkehr mit Kunden und Kollegen 20% Bildersuche im Internet 40% kreative Arbeit, sei es jetzt gestalten oder Inspiration suchen.

 

Woher holst du dir Inspiration?

Aus einer magischen Box in meinem Schrank. Nein, Spaß!

Viele kreative Leute sagen, dass sie nicht wissen, wo ihre Inspiration herkommt. Fakt ist, Kreativität ist eigentlich nur eine Rekombination von bereits bekannten Sachen zu etwas Neuem. Oder so zumindest definiert es die Wissenschaft. Je nachdem wie einzigartig das Endergebnis ist, ist es mehr oder weniger kreativ.

Nach diesem Prinzip suche ich die Inspiration vor alledem im Internet und in Buchhandlungen. Ich schnüffle auf Amazon und schaue mir die Cover von amerikanischen Bestsellern an oder informiere mich generell über den Büchermarkt. Außerdem treibe ich mich auf Pinterest, DeviantArt oder künstlerischen Blogs herum. Oft hilft es einfach, mit offenen Auge durch die Welt zu gehen. So habe ich eine nicht unerhebliche Sammlung an Broschüren und Flyern über die Jahre angesammelt. Was mir ebenfalls hilft, ist mich mit anderen Designern auszutauschen, so bekomme ich ein anderen Blickwinkel und nützliche Tipps. Für die wirklich enthusiastischen unter uns hilft beim Kreativsein manchmal eine Mind-Map. Damit kann man hervorragend Gedankengänge visualisieren und schafft so Platz für neue Verstrickungen im Gehirn.

 

Was sind eigentlich Premade-Cover?

Premades sind vorgefertigte Cover die zum Festpreis in Designershops angeboten werden. Man findet sie am häufigsten in der Indie-Autoren Szene.

Ein großer Vorteil dieser Cover ist, dass sie um einiges günstiger als ein Auftrags-Cover sind. Zudem hat man bei Premades direkt ein Endergebnis und weiß, was man für sein Geld bekommt. Die meisten Premade-Cover werden nur ein einziges Mal verkauft, was dem Käufer eine gewisse Originalität zusichert. Im Grunde würde man ein Premade nicht von einer Auftragsarbeit unterscheiden (bei mir zumindest nicht).

Auf der anderen Seite wird vorgefertigten Covern oft ein Mangel an Originalität vorgeworfen. Auch kann jeder vor der Veröffentlichung das Premade in den Shops sehen. Das zerstört ein bisschen den Überraschungseffekt oder die Vorfreude auf eine Cover-Enthüllung.

Ein weiteres Argument, das Premade-Gegner gerne benutzen, ist, dass  die Autoren sich nicht genug um ihre Bücher sorgen, um für sie ein maßgefertigtes Cover in Auftrag zu geben. Das ist aber ein Irrtum. Aus Erfahrung weiß ich, dass oft ein Mangel an Geld oder Angst vor Pfusch eine viel größere Rolle spielen. Viele Autoren wollen das Beste aus ihren Manuskripten herausholen und wenn das Geld für ein Designer nicht reicht, ist ein Premade in meinen Augen die beste Entscheidung. Viel schlimmer finde ich es, wenn Autoren, die keine Ahnung von Design haben, ihre Cover in einem komischen Experiment selber machen.

Im Großen und Ganzen sind Premades von der Qualität nicht viel besser oder schlechter als Auftragsarbeiten. Sie genießen lediglich einen schlechten Ruf.

Aus Verkaufs strategischer Sicht macht es keinen Unterschied, ob das Cover eine Auftragsarbeit oder ein vorgefertigtes Werk ist. Solange die Leser das Design mögen und das Buch sich am Ende verkauft, hat das Cover seinen Dienst erfüllt.

 

Wie wichtig ist ein Cover für das Buch?

Gegenfrage. Wie oft hast du schon mal nach einem Buch gegriffen, bei dem dir das Cover überhaupt nicht zugesagt hat? Studien belegen (haha jetzt fängt sie damit an), dass ein Mensch durchschnittlich weniger als 10 Sekunden benötigt, um zu entscheiden, ob er das Buch anklickt/vom Verkaufsstapel nimmt oder nicht. Und allein diese Entscheidung liegt am Cover (Natürlich gibt es auch Ausnahmen wie zum Beispiel wenn man den Autor des Buches bereits kennt bzw. mag oder wenn man von dem Werk schon vorher gehört hat).

Nachdem das Cover überzeugt hat, entscheidet als nächstes der Klappentext, ob man das Buch letztendlich kaufen wird oder nicht. Niemand kann mir sagen, dass er Bücher vollkommen losgelöst von dessen Aufmachung kauft. (Man darf natürlich nicht von Extremfällen ausgehen wie zum Beispiel sehr alte Bücher, die noch in Leder eingeschlagen sind oder bestimmte Fachliteratur, die nur wegen ihrer selbst gekauft wird. Ich beziehe mich hier zum größten Teil auf Unterhaltungsliteratur).

 

Was würdest du jungen Autoren raten?

Jungen Autoren würde ich raten, Geduld mit sich selber zu haben. Erfahrung kommt mit dem Alter, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und mit 16 kann man einfach noch nicht alles wissen. Das Stichwort heißt üben, üben, üben. Vor alledem ist es schwer, als Teen oder als Tween die Vielschichtigkeit der Menschen zu durchblicken und ein Feingefühl für komplexe Motive und Interaktionen zu haben. Gerade wenn man Texte von sehr jungen Autoren liest, hat man oft das Gefühl, es fehlt ein bisschen Feingefühl für das Leben an sich. Wie gesagt, das ist vollkommen natürlich.

Wenn man in der Pubertät steckt, ist es vielleicht sogar sinnvoll, ein Tagebuch zu schreiben. Das hilft nicht nur den Schreibstil zu verbessern, sondern kann Jahre später als Inspirationsquelle dienen. Mir fällt es heute manchmal ein bisschen schwer, meine Charaktere im Teenager Alter nicht doch ein wenig zu erwachsen zu machen. Vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, schwere Kost zu lesen und wieder anfangen auf mein inneres Kind hören. ;-)

Neuen Autoren würde ich raten, sich nicht von ihrer Konkurrenz ablenken zu lassen. Jeder hat mal klein angefangen und wer sich genügend ins Zeug legt, wird später auch die Früchte ernten. Geduld spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Ich bin von Natur aus ungeduldig, aber die besten Ergebnisse erziele ich wirklich wenn ich die Zähne zusammenbeiße und mir für alles ein bisschen mehr Zeit nehme und manchmal Ideen sacken lasse, bevor ich sie in die Welt hinausposaune. Die meisten erfolgreichen Autoren mussten viele Bücher schreiben, bevor dann endlich der Durchbruch kam. Das Wichtigste ist zu erkennen, wo die Schwächen liegen und an ihnen zu arbeiten. Neue Autoren schlucken hart, wenn sie am Anfang auf Kritik stoßen. Damit umzugehen ist nicht nur ein harter Brocken sondern sehr wichtig um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ich musste oft auf die Nase fallen, bevor ich in der Lage war, mit all den äußeren Einflüssen umzugehen. Am Ende kann man aus all den Erfahrungen nur Eins machen: lernen.

 

 

So genug über deine Arbeit geredet, kommen wir zu den interessanten Dingen: Dir! :D

 

Welche 3 Gegenstände würdest du aus deinem brennenden Haus retten?

Meine Festplatte, mein Laptop Elfrida und meine Kamera Charlie.

 

Kaffee oder Teetrinker?

Tee. Kaffee mag ich nicht, wobei ich ihn immer aus Höflichkeit trinke, wenn er mir bei Vorstellungsgesprächen angeboten wird. :D

 

Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein...

Plumploris (auf Englisch Slow Lori) das sind süße, faule, nachtaktive Allesfresser (also ich). Auf YouTube gibt es niedliche Videos von diesen Tieren, wie sie kleine Cocktailschirme halten und sich den ganzen Tag den Bauch kraulen lassen. Außerdem haben sie so große und niedliche Augen, dass man ihnen, würden sie sprechen, keinen Wunsch abschlagen könnte.

Must see:

https://www.youtube.com/watch?v=yX_J4Vtsi7k

https://www.youtube.com/watch?v=_pjeOpJv0_M

 

Womit könnte man dich bestechen?

Geld, Bücher, Süßigkeiten, einem Stein … Ja, ich bin nicht gerade wählerisch.

 

Was ist das Verrückteste, was du bisher ausprobiert hast?

Ich weiß nicht, ob das so jugendfrei wäre. :D

 

Homepage: www.casandrakrammer.de

Facebook: www.facebook.com/CasandraKrammer

Twitter: www.twitter.com/CasandraKrammer

 

Caro und Casandra auf der Leipziger Buchmesse
Caro und Casandra auf der Leipziger Buchmesse

- Dieser Artikel stammt aus der Feder von: Caro