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Juchu, ich habe einen Verlag gefunden … oder etwa nicht?!?

Artikel-Cover
Der Brief, den die junge Autorin bekommen hat

Man kann offenbar gar nicht genug über das Thema "Seriöse und unseriöse Verlage reden", denn wie in jeder Herde gibt es auch in der Verlagswelt nicht nur weiße Schafe.

Eine junge Autorin postete vor einiger Zeit dieses Foto in einer Gruppe. Sie freute sich sichtlich über die Chance, war aber gleichzeitig überrascht, wie einfach es offenbar ist, einen Verlag zu finden. Doch geht das wirklich so schnell? Wir haben bei der Autorin nachgefragt:

 

1. Wie bist du auf den Verlag aufmerksam geworden?

Durch einen Internetartikel. Ich musste so eine Tabelle ausfüllen (mit Name, Adresse, etc.) und habe dann nach einer Woche Post bekommen.

 

2. Okay, aber wahrscheinlich auch eine Leseprobe?

Nein, das nicht.

 

3. Du hast dein Projekt nicht vorgestellt?

Nein, gar nicht.

 

Da sollten die Alarmglocken bereits angehen! Denn seriöse Verlage suchen in der Regel nicht öffentlich nach Autoren und erst recht nicht mit Anzeigen, in denen man nur Name und Adresse angeben soll.

Was ist mit dem Genre? Der Zielgruppe oder dem Thema? Das sind alles Informationen, die ein richtiger Verlag wissen muss, um zu sehen, ob der Text überhaupt ins Programm passt.

Nach ein wenig Internetrecherche wurde ziemlich schnell deutlich, dass es sich um keinen normalen Verlag handelte, sondern um einen Pseudoverlag. Dieser hatte sich des Namens eines bekannten Publikumsverlages in leicht abgewandelter Form bedient.

 

Was sind Pseudoverlage?

Das sind Verlage, die ihr Geld vor allem mit den Autoren verdienen. Wenn ein Autor schon sagen wir mal 5.000 Euro für die Veröffentlichung bezahlt, dann benötigt er keine Leser mehr, um sich über Wasser zu halten. Pseudoverlage verdienen gut, vor allem an Autoren.

Für das investierte Geld bekommt der Autor dann in den meisten Fällen trotzdem weder ein schönes Cover noch ein anständiges Lektorat. Werbung wird so gut wie kaum gemacht. Wer also versprochen bekommt das investierte Geld wieder einzunehmen wird

enttäuscht. Hierzu gibt es ein interessantes Gerichtsurteil, welches besagt:

"Wer Bücher bei einem Druckkostenzuschussverlag veröffentlicht, gibt damit zu erkennen, dass er das Schreiben nicht professionell betreibt, und kann deshalb dabei entstehende Verluste nicht steuerlich geltend machen."

Quelle: http://www.mediafon.net/meldung_volltext.php3?id=525d0e206033b&akt=news_allgemein

 

Woran erkenne ich sie?

Na ja. Sie wollen Geld von euch. Aber oft findet sich bereits im Namen der erste Hinweis, denn Pseudoverlage benutzen absichtlich die Namen von berühmten Persönlichkeiten oder wandeln Namen von Publikumsverlagen ab.

Wenn ich also einen solchen Verlag gründen würde, würde ich ihn zum Beispiel

-     S.S.B. Fischer Verlag

-     Von Schiller Verlagsgruppe

nennen.

 

Des Weiteren lohnt sich ein Blick auf die Homepage. Man achte auf Versprechungen wie:

-     Bei uns kann es jeder schaffen!

-     Vertrauen sie ihr Manuskript unserem Verlag an und sie werden es nicht bereuen.

-     Bei uns hat jedes Buch die Chance auf eine Veröffentlichung.

-     Mit unserer Hilfe wird aus jedem Buch ein Bestseller.

 

(Diese Formulierungen zeigen schon, wer hier als "Kunde" gesehen wird, oder nicht? Kleiner Tipp: Es scheint nicht der Leser zu sein.)

 

Aber auch vertrauensvolle Formulierungen wie:

"Wenn wir ihren Text sorgfältig geprüft haben, erhalten Sie von uns ein individuell auf Ihr Buch abgestimmtes Angebot."

Sprich: Mal gucken, wie viel Geld wir ihnen aus der Tasche ziehen können...

- "Bei uns wird Ihre Zusendung schnell und wohlwollend begutachtet."

 

Bedenkt auch, dass der Buchmarkt regelrecht von Autoren überschwemmt ist. Verlage haben keine Probleme, welche zu finden. Außer in der ganz kurzen Zeit nach einer Verlagsgründung suchen seröse Verlage nicht aktiv nach neuen Autoren. Besonders nicht nach Debüt-Autoren, denn das ist zu riskant. Also, seht ihr eine Anzeige für neue Autoren: Finger weg!

 

Okay, zurück zu unserer jungen Autorin.

 

4. Dann kam der Brief. Was war dein erster Gedanke?

Ich war total glücklich und habe es sofort in die Zeilenspringer Gruppe gepostet, wurde dann aber von Warnung durchflutet

 

5. Wusstest du was DKZV sind?

Nein, ich hatte keine Ahnung. Tja, 16jährige sind halt leicht zu beeindrucken.

 

Und genau das machen sich Druckkostenzuschussverlage zu Nutze. Die Unwissenheit neuer Autoren. Darum kann man es gar nicht oft genug teilen und oft genug sagen. BEZAHLT NIE NIE NIEMALS Geld für das Veröffentlichen eurer Bücher.

 

Jetzt kommen wir zu der zweiten, weniger offensichtlichen Spate an nicht mehr ganz so weißen Schafen. Mittlerweile gibt es Verlage, die fadenscheinige Gründe vorschieben, um vom Autor finanziell unterstütz zu werden.

 

Da gibt es Erklärungen wie:

Wir sind noch neu und können das Risiko unmöglich allein tragen. Sei froh, dass wir dir überhaupt eine Chance geben, da musst du uns schon etwas entgegen kommen. Darum nimm uns doch bitte x Bücher ab. Oder zahle für das Lektorat (oder wir verzichten einfach ganz drauf).

Oder male dein Cover selbst (mhm ... ein Foto tut es auch. Fotografiere doch einfach den Baum... oder dich selbst. Ja, ein Selfie geht zur Not auch. Bei PowerPoint noch den Titel ergänzen. Fertig.)

Hast du Freunde? Oder Familie? Nötige sie dazu, deine Bücher vorzubestellen. Wenigstens das können sie ja wohl für dich tun...

 

NEIN!

 

Der Autor muss weder Geld für

- Lektorat

noch für

- Cover 

noch für

- Werbung

bezahlen.

Der Autor muss dem Verlag auch keine Bücher abnehmen!!!

 

unseröser Vertrag
Beispiel eines unserösen Vertrages.

 

Dann gibt es noch kreative Ideen seitens der Verlage, die Vorbestellungen einführen. D.h. das Buch wird erst gedruckt, wenn eine bestimmte Anzahl bereits vorab bestellt wurde. Es sollte an dieser Stelle darauf hinzuweisen werden, dass es bei einem seriösen Verlag auch KEINE Vorbestellungen geben sollte. Auch hier werden wieder Gründe vorgeschoben, warum so eine Reglung Sinn machen würde. Viele Autoren lassen sich darauf ein und mobilisieren Freunde und Verwandte dem armen Verlag doch die paar hundert Bücher abzunehmen.

Wenn ein Verlag eurer Buch vielversprechend findet, sollte er das komplette finanzielle Risiko auf sich nehmen.

Natürlich kann und soll der Verlag nicht alles allein machen. Was ein Verlag vom Autor erwarten kann, ist vor allem eins: Engagement!

Das Zeitalter, wo Autoren einfach nur schreiben ist für die Meisten vorbei und der Autor sollte ein Interesse haben, seine Bücher zu vermarkten. Zum Beispiel, indem er Lesungen hält, auf Messen und Conventions geht und die sozialen Netzwerke nutzt.

Damit wird der Verlag in seiner Arbeit unterstützt. Das ist einer der Gründe, warum Verlage sich ihre Autoren genau aussuchen. Nicht nur nach der Geschichte, sondern auch nach der Person. Man arbeitet schließlich eng zusammen und versucht gemeinsam, das Buch an die Leser zu bringen.

Gerade kleine Independent-Verlage sind darauf angewiesen. Aber auch große Publikumsverlage sind daran interessiert. Zwar haben diese mehr Geld und Personal, um auch ohne die Hilfe des Autors zu agieren, aber die Person des Autors ist für die Leser interessant und damit ein unverzichtbares Werbemittel.

Debüt Autoren bringen keine Fanbase mit, die Verlage wissen auch nicht wie engagiert sie sind. Das macht es so riskant für die Verlage neue unbekannte Autoren aufzunehmen.

 

Trotzdem raten wir euch: Nicht in der Verzweiflung zu einem DKZV gehen.  Macht bei einer Bewerbung deutlich, dass ihr wisst, was auf euch zukommt und das ihr engagiert seid.

 

Für weitere Informationen: Um auf die Probleme mit DKZVs aufmerksam zu machen wurde das Aktionsbündnis für faire Verlage gegründet

 

- Dieser Artikel stammt aus der Feder von: Caro