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Interview Literaturagentur Thomas Schlück

Artikel-Cover

(dieses Interview wurde ursprünglich am 01.12.2013 auf Facebook veröffentlicht. Da Interesse bestand, haben wir es nochmal hier auf unserem Blog hochgeladen.)

Liebe Agentur Thomas Schlück, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben.

 

Ihre Agentur wurde bereits 1973 gegründet. Welche Beweggründe gab es damals?

Als Thomas Schlück die Agentur 1973 gegründet hat, arbeitete er damals weiter als Übersetzer. Das Lizenzgeschäft sollte ein zweites Standbein werden. Im Laufe der Zeit ist der Anteil des Lizengeschäftes allerdings immer weiter gewachsen, bis sich die Agentur auf diesen Zweig konzentriert hat. Seit 1998 vertritt die Agentur auch vermehrt deutsche Autoren.

 

Welche Bereiche deckt Ihre Agentur ab?

Die Agentur Schlück hat im Grunde zwei Schwerpunkte: zum einen das Lizenzgeschäft, also der Verkauf ausländischer Titel – hauptsächlich aus dem angelsächsischen Raum – nach Deutschland und zum anderen die Betreuung und Vermittlung deutscher Autoren weltweit. Auf beiden Ebenen vertreten wir Belletristik, Sachbuch, sowie Kinder- und Jugendbuch und arbeiten mit allen großen Publikumsverlagen zusammen.

 

Welche Arbeiten fallen in einer Agentur an?

Das ist abhängig von der Größe und der inneren Strukur der jeweiligen Literaturagentur. Bei uns gibt es neben den Agenten auch eine Vertragsabteilung, die Buchhaltung und den Assistenzbereich. Die Textarbeit, Autorenbetreuung oder die Präsenz auf Buchmessen sind nur ein Teilder Arbeit, die in unserer Agentur anfällt. Die von den Agenten verhandelten Verträge werden durch unsere Agentur überwiegend selbst ausgestellt, zudem leiten wir die Gelder an unsere Klienten weiter, überprüfen Verlagsabrechnungen etc.

 

Welche Marketing Strategien halten Sie für besonders wertvoll und welche weniger?

Wir vermuten, Ihre Frage zielt auf die Marketing-Strategien der Verlage bei der Bewerbung von Büchern: In der Regel ist heutzutage immer noch eine große Präsenz im Handel sehr wichtig, um wahrgenommen zu werden. Insofern sind vernünftige Marketingmaßnahmen für den Handel weiterhin essentiell, um als Autor aufgebaut zu werden. Social Media und andere Internetmaßnahmen können da nur ergänzende Maßnahmen sein, wobei prominente Platzierungen bei Amazon und im iBookstore immer wichtiger werden.

 

Welche Arbeit macht Ihnen besonders Spaß? Welche Herausforderungengibt es?

Die größte Herausforderung ist wohl für alle, die in der Agentur Schlück arbeiten, dass man in diesem Geschäft nicht auslernt und immer wieder vor neuen Herausforderungen steht – genau das macht die Arbeit aber auch so toll. Ein besonders schöner Moment ist es aber natürlich, wenn ein Text, an dem man mit einem Autor lange gearbeitet oder den man mitbesonders viel Herzblut vermittelt hat, ein Zuhause bei einem Verlag findet. Freude und Spannung hören damit aber noch nicht auf: Wie sieht das fertige Buch aus, kann es auf dem hartumkämpften Buchmarkt erfolgreich bestehen, was plant der Autor als nächstes und wie kann man ihm dabei helfen? Und wenn dann das Belegexemplar der vierten Auflage in der Agentur eintrifft, freut man sich erneut. Auch das Gefühl, ein Talent oder einen großartigen Text in den vielen Manuskripteinreichungen gefunden zu haben, ist unvergleichlich.

 

Wie viele Manuskripte erhalten Sie im Durchschnitt?

Wir erhalten täglich ca. 10 Anfragen.

 

Wie bemerken Sie, dass ein Text Potential hat?

Wir bekommen oft zu hören, dass eine Textprobe der ersten 30 Seiten nicht ausreichen könne, um für oder gegen einen Text zu entscheiden. Tatsächlich ist das aber meistens genug –  zumindest um entscheiden zu können, ob ein Text Potential hat. Einem Leser im Buchladen bleibt ja meistens auch nur der Klappentext, er liest vielleicht in die ersten Seiten hinein und bis dahin muss der Funke überspringen. Das bedeutet für uns beim Prüfen eines Manuskripts Ähnliches: Ist der Stil gut, gefällt die Sprache und passt sie zur Zielgruppe? Wird man innerhalb der ersten 30 Seiten in eine vielversprechende Geschichte mitüberzeugenden Figuren hineingezogen; wird Neugier geweckt? Dann verrät der Blick auf das Exposé, ob die Geschichte in sich stimmig ist und ob es einpotentielles Publikum dafür gibt. Wenn all dies zutrifft, kann man von Potential sprechen; es gibt hier also durchaus objektive Kriterien – nicht zuletzt ein freundliches, ansprechendes Anschreiben. Manchmal ist es aber auch tatsächlich nur ein Bauchgefühl, das für oder gegen einen Text spricht – hier bleibt die Literatur einfach ihrer Natur gemäß subjektiv.

 

Was ist Ihr persönliches "No-Go" bei einer Bewerbung?

Hier gibt es sicherlich ebenso viele Varianten, es richtig zu machen wie eben auch falsch. Problematisch ist es natürlich, wenn Grammatik und Rechtschreibung schon im Anschreiben schwächeln. Ebenso schwierig sind Anschreiben, die sehr bemüht sind, aus der Masse herauszustechen. Hier kann man nur raten: Keine Angst vor einer schlichten, freundlichen und unaufgeregten Vorstellung! ‚Absolutes No-Go‘ klingt hart, aber verzichten sollte man tatsächlich auf Hinweise darauf, dass auch „Harry Potter“ oder „Das Parfum“ abgelehnt wurden und diese Verlage sich heute noch schwarz ärgern. Ebenso wenig hilft die Anmerkung, dass Testleser (bestehend aus Freunden und Familie) durchgängig vom Roman begeistert waren. Hier sollten am besten Text und Exposé für sich sprechen. Und als letztes sollte man sich tatsächlich in Geduld üben und von Rückfragen absehen, bis der durchschnittliche Korrekturzeitraum abgelaufen ist – auch wenn es schwer fällt.

 

Gibt es etwas, wonach Sie im Moment besonders suchen?

Großartige, besondere Texte werden immer und in allen Genres gesucht, aber es ist tatsächlich so, dass ein Text aus dem Bereich Fantasy oder auch historische Romane schon besonders gut sein muss, um derzeit vermittelt werden zu können. Der Bedarf an Vampiren und dem 14. Jahrhundert scheint vorerst gedeckt. Wohingegen es im Bereich Jugendbuch an besonderen Geschichten, ohne Fantasy-Elemente fehlt. Auch im Bereich Thriller und Krimi gibt es Schwankungen. Härtere Stoffe im Stil der Millennium-Trilogie gehen momentan besser als beispielsweise die sogenannten Regio-Krimis, die vor einiger Zeit noch schwer gefragt waren. Aber wenn Autoren versuchen, ihre Texte nach solchen Gesichtspunkten auszurichten, besteht die Gefahr, dass diese Schwankungen längst wieder hinfällig sind, bis der Text fertiggestellt wurde.

 

Worauf können wir uns in Zukunft freuen?

Natürlich auf großartige neue Bücher –schließlich arbeiten wir ja fleißig ;-)

 

Eine Buchempfehlung für den verregneten Herbst?

Wir haben derzeit so viele tolle Neuerscheinungen, dass eine Auswahl da schwer fällt. Aber auf unserer Homepage wird sicherlich jeder etwas Passendes finden: http://www.schlueckagent.com/index.php/de/neuerscheinungen Sicher ist auch die ein oder andere Weihnachtsgeschenk-Inspiration dabei.

 

Gibt es etwas, was Sie unseren Autoren mit auf dem Weg geben wollen?

Eine ausgewogene Mischung aus Kritikfähigkeit und Selbstvertrauen schadet sicherlich nicht. Ansonsten würden wir uns da Thomas Alva Edison anschließen, der sagt: 

„Genie ist 1% Inspiration und 99% Transpiration.“

 

Vielen herzlichen Dank an Franziska Hoffmann und Bastian Schlück für dieses interessante Interview und die Zeit!

- Dieser Artikel stammt aus der Feder von: Caro